| Wo ist das Mittelalter hin? |
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| Montag, den 02. Mai 2011 um 11:36 Uhr | |||
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Seit gestern beschäftigt mich die Frage einer Lebensgefährtin: "Wie ist eigentlich das Mittelalter abgeschafft worden?". Da ich ständig Geschichtsbücher lese, treuer Abonnent der "Karfunkel" bin und sogar das tiefe Engagement meines Geschichtslehrers aus dem LK Geschichte immer noch nachwirkt, fand ich die Frage erstmal naiv. Das Mittelalter wurde nicht abgeschafft, nirgends stand ein Schalter "Mittelalter on/off" rum. Erfindungen wie der Buchdruck, Vereinigungen von Ländern, die Entwicklung freier(er) Märkte und neue Erkenntnisse über den Menschen, die Erde und die Welt, die dann auch zwangsläufig in das religiöse Weltbild gesickert sind, hatten eine Evolution - voller Rückschritte - zur Folge. "Alles klar. Und: wie ist das Mittelalter rum gegangen?" - ich geb's auf. Und zwar in mir drin: zu viel flutet dann zusammen. Klar sind wir nicht mehr so dreckig. Sind wir nicht mehr? Naja, irgendwie sind die Palästinenser im Gaza-Streifen, gar nicht so weit weg von uns, schon dreckig. Fliesend Wasser ist selbst in Europa noch nicht wirklich selbstverständlich. Die Armut der Welt soll - ausgehend vom September 2000 (191 Mitgliedsländer der UNO einigten sich da auf "acht Millenniums-Entwicklungsziele") - bis 2015 halbiert werden : es gibt sie also noch, die "sozial Schwachen". Ohne Wasser. Ohne Futter. Ohne Dach über'm Kopf. Das Mittelalter lässt grüßen. Und das ist doch auch eine Wackelpartie: was ist den die Armut der Welt? So wie die Manager und Banker sich sanieren, müssten wir die Halbierung der Weltarmut doch gleich erreicht haben. Und die paar Billionen Rettungsschirme sollten doch auch helfen, dass es für jeden eine Zahnbürste und eine Tube Zahnpasta gibt. Die Rente wird weniger wert, bei Anne Will konstatiert "Die-Rente-ist-sicher"-Norbert (Blüm), dass der Arbeiter der Angeschmierte ist und der Staat zerfällt. Es regnet in ein paar Dutzend Ländern dieser Erde Bomben und Minen werden weiterhin verbuddelt - und bei uns gebastelt. Daneben verstrahlen Tschernobyl, Fukushima und die aktiven 210 Atomkraftwerke mit insgesamt 442 Reaktorblöcken das bisschen heile Erde, was noch da ist. Fast hundert weitere (Atomkraftwerke) sind geplant. "Empört Euch!" ruft Stéphane Hessel, Baujahr 1917, "Ex-Terrorist" der französischen Résistance (mit 93 Jahren, am 17. Mai 2009) auf der Jahresversammlung der "Citoyens Réstistants d'hier et d'aujourd'hui" in seiner improvisierten Rede. Und ich muss die Naivität meiner kleinen, lächerlichen Antwort des gestrigen Abends eingestehen. Nein, das Mittelalter wurde noch nicht abgeschafft. Wir waschen uns hier mehr und werden hier momentan älter als früher. Ja, vor einigen hundert Jahren wurde man verbrannt, geköpft und gehängt. Woher die Gänsehaut? Heute und jetzt werden Menschen einfach ausgebeutet, spurlos verschleppt, zerbombt und verstrahlt. "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Dann lasst uns mal schauen. Nicht, wo Geld herkommt oder wo es hingeht, wie man die Automobilindustrie oder die Atomlobby schadfrei hält oder die Banken sichert, wer Arbeit gibt, wer welche nimmt. Sondern dass die Würde des Menschen unantastbar werde.
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| Zuletzt aktualisiert am Montag, den 02. Mai 2011 um 12:15 Uhr |



