subjektiv!
Irren ist menschlich: wir bestehen auf unsere Menschenrechte!
Wer eher stirbt, ist länger tot PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 22. Juli 2011 um 23:19 Uhr

„Nein, meine Ursuppe mag ich nicht“ - unsere Amöbe war ein ganz schöner amöbenstaatzersetzender Sonderling, als sie zum Fisch wurde. Der evolutionären Kraft eines anarchistischen, fischschwarmzerstörerischen Meeresbewohners haben wir es einige Zeit später zu verdanken, dass wir senkrecht auf zwei Beinen stehen und so zwei Hände pro Individuum frei haben, die Welt zu zerstören.

Vergänglichkeit ist eben die bittere Pille, die, älter als der erste Einzeller, zwangsweise von jedem geschluckt wird. Sterben ist nun mal das gemeinsame Zielfeld der Amöbe, des Fisches und des Staates.

Den Staat zersetzen dabei die langhaarigen Bombenleger und die fleißigen Ziehväter des Endzeitkapitalismus, die Banken und die Industrie, gleichermaßen, letztere nur wesentlich effektiver. Die Amöbe ist diesmal unschuldig, der Fisch stirbt vorher, weil er der Industrie ins Netz gegangen ist, um den Bombenleger zu ernähren. Der Mensch, sowohl als Einzelwesen als auch in der Masse auf das Endziel bedacht, unterstützt folgerichtig die effektivere Methode der Massenvernichtung.

Die Zersetzung unserer teutschen Gesellschaft kann auch unsere demiurgratische Regierung nicht aufhalten, Regierung aka Regulierung wahlberechtigter und unmündiger Bürger. Damit hält sie der Tradition alle Stangen und wenigstens die zersetzende Freiheit des Individuums in Grenzen. Grenzen, die wiederum des Todes sind. Das liegt in der Natur der Amöbe, des Fisches und der Grenze. Wobei selbstverständlich auch die Regierung als solche einem Endziel entgegen strebt: möglichst deutlich Morbidität auszustrahlen – das bringt Stimmvieh, welches sich das Ende des Paradieses ersehnt und um Erlösung bettelt.

Auch die Zeit hält sich an ihre Tradition: sie wandelt sich. Wer erinnert sich noch an 1789 und die guten Vorsätze – und wer will schon, dass beim Rollen von Köpfen noch Blut zu sehen ist? Die Leichen der Aufklärung genagelt an das Symbol der Christenheit, alles im Namen der Wissenschaft, die gut daran tut, alle Details unseres Zerfalls zu erforschen und weitere Wege zum gemeinsamen Ziel zu entwickeln. Zum Wohle der Amöbe, des Fisches und der Welt.

Der Tod ist sicher, soweit ist das jetzt geklärt. Das hat der Mensch verinnerlicht, deswegen versichert er sich gegen alles und alle anderen, schafft lieber zehn als vier Stunden täglich, wird immer mehr und immer älter und stirbt heimlicher, stiller und leiser.
Als Übermenschen sind wir auf der sicheren Seite und des eigenen Todes.

Manchmal knackst es, dann kackt einer vorab. Hunderttausende Schläfer im Staat, die so gerne zersetzender wären, die eine innere Unruhe plagt, ob es denn mit ihrer Effektivität zum Besten stehe – klar, dass da mal der eine oder andere sich nicht mehr halten kann und im Übereifer zum Endspurt auf der Zielgerade ansetzt. Dann raucht der! Oder er trinkt Alkohol, lebt nicht monogam, hat Spaß auf Kosten seiner sterblichen Hülle, nutzt die sich wandelnde Zeit, macht gar, was er will!
Da greifen dann alle Unsicherheiten: tonnenweise Schutzmaßnahmen vor der einzig gewissen Unbekannte - auf, auf zum Leben! Sein bedeutet glücklich sein? Das Sein ist doch des Todes und das Glück liegt im Sein also ist doch der Tod das reine Glück. So glückt die Evolution!

Eines kann ich sagen: ich sterbe jeden Tag gerne ein kleines bisschen. So lassen sich nicht nur die schweren Tage ertragen, auch die schönen sind im Angesicht ihrer Vergänglichkeit nochmal ein ganzes Stück schöner

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. Juli 2011 um 23:29 Uhr